Geschichten und Erzählungen

Diesmal erklären sich die Bilder selbst

Diesmal erklären sich die Bilder selbst · 1/4

Bist Du selbst in eine Filmszene je eingetreten? Ich bin kein Regisseur, aber die Erzählung des zweiten Bilds hatte mich lange beschäftigt. Am vergangenen Sonntagabend wurde ich endlich ein Teil von dieser und ertappte mich an einem Ort zwischen Melancholie und Glückstränen. Dann fuhr ihr zur Stadt runter, sah die Gesichter aus manchen auch vergangenen Kapitel und trainierte mich als Athlet, wie ich bereits über Monaten und Jahren gemacht hatte und zwar mit totaler Hingabe. Trotzdem war das Beste von diesem zweitägigen Ausflug vielleicht genau den vierten Schnappschuss und zwar, die Worte von Majaspoesie zu lesen: „Meine Augen tränen, weil sie so weit offen stehen, zu oft in die Sonne gesehen und in den Regen.“ Mich damit auf der Wiese neben dem Gramarthof in Innsbruck auseinanderzusetzen hat mir eine Riesenkraft gegeben. Nun ja, diesmal sollen die Fotos meine Gedanken erläutern.

#Alps #Stadt #Tyrol #Blog

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Argument des Tages 💭

Argument des Tages 💭 · 1/4

~ Seit jeher bin ich Sportkletterer und durch die Jahre Erfahrung habe ich Unterschiedliches erlebt. Vor ein paar Tagen wollte ich von oberhalb eines Felses abseilen und ein guter Freund hat mir dabei geholfen. Ich wollte nämlich eine neue Kletterroute schaffen.

Im Bild lächle ich mal… aber eigentlich war es mir alles neu und in dem Kontext – an einem einzigen Seil ins Freie auf 50 Meter über dem Boden zu schweben – brachte mich zum Denken. Ich hing an einem seidenen Faden und fand dieses Zugleich von Ohnmacht und extremem Vertrauen zu einem einzigen Seil ziemlich faszinierend. Das Sportklettern zeigt einem die Kunst des Sich-Verlassens – auf die Umgebung sowie die eigenen Fähigkeiten. Heute glaube ich mal, dass ich als Extremsportler zumindest einen Teil dieser Kunst im Alltag erleben darf.

#sportclimbing #rockclimbing #climbinglife #outdoorclimbing #abseiling

Argument des Tages 💭 · 2/4
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Sonnenuntergänge, die bleiben.

#Dolomites #Poems #Alps #Klettern

Sonnenuntergänge, die bleiben. · 1/5

Schattenkegel

Tortenstücke der Sonne

Mosaiksteinchen aus Fels

~

Heute bin ich dankbar dafür, dass ich höher wie jeden Sturm noch steigen darf🌊

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Endlich wieder das Sportklettern, das ich will👁️

Endlich wieder das Sportklettern, das ich will👁️ · 1/5

Ein großer Sprung für Matteo, ein kleiner Schritt für die Menschheit🤾🏻‍

Wie manche vielleicht schon wissen, bin ich Anfang dieses Jahres auf dem Beton des Innsbrucker Hauptbahnhofs gelandet, als ich von der Arbeit nach Hause radelte. Zum Glück habe ich keine schwere Verletzung da erlitten. Trotzdem habe ich das rechte Handgelenk am Lenker überstreckt und bin letztendlich mit beiden Händen vorne auf dem Boden gestürzt, während ich diese Augenblicke unter Kontrolle bekommen wollte. Das Fazit dieser choreographischen Leistung war, dass ich keine Leisten mehr greifen konnte. Dies zwei Wochen vor meiner vor Monaten geplanten Reise nach Spanien. Einerseits bedeutete es für mich, dass ich keine ernsten Versuche mit meinem Projekt in Perles haben konnte – selbstverständlich habe ich mich damit konfrontiert. Andererseits konnte jemand, der mit 5 Jahren als kleines Kind schon kletterte und nie eine richtige Verletzung hatte, diese Leidenschaft konkret nicht so leben, wie er von Anfang an machen gekonnt und gewollt hatte.

Ich habe diesen abrupten Halt angenommen, wie ich in anderen Fällen getan hatte: an den schweren Tagen oder an jenem Sommertag 2025 - als ich mit einem Ellbogen aufwachte, der so geschwollen wie ein Tennisball war – entdeckte ich nämlich neue Seiten meines Sportlerseins.

Schon war ich länger als 20 Kilometer von meinem Innsbrucker Zuhause gelaufen, bis ich vor dem Bild von Hermann Buhl bei Hungerburg feststellen musste, dass ich den Zauber des Schneefalls ganz langsam unter den Fichten, Buchen und wenigen Lärchen oberhalb vom Alpenzoo abgehend genossen hätte, weil die Beine einfach nicht mehr konnten.

Ganz viel Spaß hatte ich eigentlich mit diesen neuen Formen, zum Beispiel am vergangenen 19. Juni, als ich bei einer Tagestemperatur um 30 Grad von dem Hofgarten (574 Meter über dem Meeresspiegel) losging. Nach wenigen Stunden begrüßte ich die einheimische Fauna und schrieb ganze Buchseiten – dies auf den 2559 m ü. M. der Vorderen Brandjochspitze.

Auf jeden Fall besteht mein großer Sprung darin, gestern Wrangler in Capanna Bill rotpunktet zu haben. Es geht nicht um die Schwierigkeitsskala, weil ich 8b und 8b+ mit dreizehn, 2012 geklettert bin. Vielmehr ist es das gute Gefühl, dass ich mich frei bewege: ohne viele Gedanken und mit dem Bewusstsein, die mit meiner aktuellen Form vielleicht zu ambitionierten Trainingspläne funktionieren.

Während ich gestern wieder zum Parkplatz ging, dachte ich wieder an die Worte, die ich einer Freundin vor kurzem in einem Brief schrieb: Der Himmel führt zu Distanzen, die weiter als jeder Bergweg sind.

Glaubt mir, gestern war der Himmel so blau wie noch nie.

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Die KI: eine außerirdische Intelligenz und deren Grenzen

Die KI: eine außerirdische Intelligenz und deren Grenzen · 1/3

Einmal hatte ich mir eine Rede von Paolo Bonolis angehört, die auf der Bühne der TED unter der Regie von der Universität LUISS vorgetragen wurde. Der Beitrag ist vom 11. Juni 2015 und Bonolis beginnt mit seiner Argumentation bei einem Buch, nämlich „Answer“ von Fredric Brown. Darin geht es um einige Wissenschaftler, die herausfinden wollten, ob die Frage „gibt es einen Gott“ zu bejahen sei. Um dies zu verwirklichen, bauten sie immer größere Rechner, die zunehmend stärker und „mehr super“ waren. Nach einer Weile existierten gar keine Techniker mehr, die den stärksten Rechner bauen konnten. So, endlich und in dem Abgrund der Stille, kam die lang angestrebte Antwort:

„Gibt es einen Gott? Jetzt ja.“

Bonolis wechselt dann zum Thema des induktiven oder deduktiven Wissens und der unerträglichen Schnelligkeit, zu der die Maschinen uns zwingen. Zum Schluss erfolgt ein Zitat von Guy Debord: „Die Menschen ähneln eher ihrer Zeit als ihren Vätern.”

Genau hier stolpere ich mit meinem fließenden Denken und überlege, wie der technische Fortschritt uns gerade in eine Richtung schiebt, die wir noch nicht klar sehen können. Vielleicht werden wir das, was gerade geschieht, weder definieren noch mit Worten beschreiben, die einen Bezug zum Realen haben.

Ich schrieb „außerirdische Intelligenz“ nicht einfach so in den Titel, las nämlich einen Satz von jemandem auf X, der genau dies schilderte.

Neulich hat OpenAI – die KI für den Mann auf der Straße (for the people), die den Gang an die Börse wagt (an dieser Stelle wird gezwinkert!) – auf der gleichen Benutzeroberfläche veröffentlicht, dass ein bisher ungelöstes mathematisches Problem erklommen werden konnte. Ganz schön.

Ich werde genau diesen Text auf Deutsch und dessen englischem Zwilling der Maschine und deren klaren Augen übergeben. Bewusst wird es mir sein, dass ich mit einem mächtigen Instrument interagieren darf, das meinen Befehl ausführen wird, den Text zu lesen und mir zu sagen, ob ich etwas übersehen habe. Dies wird mir verstehen helfen, wie ich in dem Fall meine Übersetzungen strukturiere – auch künftig. Noch ein dünner schwarzer Schleier wird auf diese Zeichen geklebt, sodass das Programm deren Wirkung zu mildern scheint, weil mein Schreibstil zum Beispiel redundant ist. Am Ende des Tages wird die Maschine tun, was Maschinen tun, nämlich alles zu den Standardparametern zurückzuführen. Dies wird sie zumindest versuchen und indes meine Worte einnehmen, um die eigenen Speicher zu füttern.

Also ja, die Menschen ähneln eher ihrer Zeit als ihren Vätern … In einem Zeitalter, in dem Segen wie Saaten aus diesem verrotteten Kapitalismus sprießen und wir beispielsweise den synchronen Zugang zu den Weltereignissen dabei geschenkt bekommen, besteht die Frage aller Fragen denn nicht darin, zu überlegen, was zur Hölle mit uns passieren wird; sie besteht gleichwohl nicht darin, Videos zu dem neuen Feudalismus der „Techblase“ zu drehen oder gar den Staat mit Erwartungen sowie „dem universellen Einkommen“ zu beauftragen.

Die Frage aller Fragen geht denn in zwei unterschiedliche Richtungen:

Wie wenden wir all das Erreichte so, dass eine Gesellschaft entsteht, die auf sich selbst verlassen kann? Wie – überhaupt – wählen wir ein geeignetes Vokabular, damit die Menschheit konkret und nachhaltig voranschreitet?

Dies, weil mit einer kommenden sich auf großen Sprachmodellen stützenden künstlichen allgemeinen Intelligenz die dicken Feudalherren keine neuen Worte bald weitergeben können werden.

Markus Gabriel schreibt: „Was in einer Hinsicht Verbesserung ist, kann in anderen Hinsichten Verschlechterung sein.“ Wenn wir uns selbst bei der Nutzung dieser Technologie begrenzen, sodass wir die Perfektion umgehen und konkret im Rahmen der Herausforderungen unserer Zeit im Vordergrund stehen, dann ist dieser der gute Weg zum „Neustart des Systems“.

Wohlgemerkt machen wir all das und sind uns dessen bewusst, dass das, was ich, du, sie und alle Menschen schreiben, ein ganz neuer Atemzug ist. Warum? Weil in dem Text, an dem ich gerade arbeite, „Rückenwind“ genau mit „Rückenwind“ ins Italienische übersetzt wird. Aber ich – im Zuge meiner individuellen menschlichen Erfahrung – denke an einen anderen Begriff. Das sage ich nicht, weder dir noch dem jeweiligen LLM-Modell.

Ihr werdet auf mich warten müssen und über die Worte von Han Kang nachdenken. So darf ich die aus dem Italienischen von Milena Zemira Ciccimarra vortragen:

«Wie schwierig ist es denn für uns Menschen, menschlich zu bleiben, egal was passiert? In der dunkelsten Zeit fragt uns die Sprache, woraus wir bestehen. Sie hält den Punkt, dass die vielen Perspektiven der Menschen und Lebewesen auf dieser Erde unseres Vorstellungsvermögens bedürfen; sie verbindet uns alle miteinander. Die von der Sprache gestiftete Literatur hat notwendigerweise eine gewisse körperliche Wärme in sich. Ebenfalls notwendigerweise sind Bücherlesen und Literaturschreiben ein Akt, der sich dem, was das Vernichten vom Leben angeht, querstellt.»

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Was singen die Ladiner aus Anpezo?

Von dem Gipfel der Tofana di Rozes sieht man den Glockenturm ganz gut: er wurde von Silvestro Franceschi entworfen und dessen Pläne wurden durch den Wiener Architekten Hermann Bergmann fortgesetzt.

Den Bau stellte man 1858 fertig und dafür verbaute man unter anderem Dolomitgestein, das aus dem ganz nahen Fuß des Faloria kam.

Leicht findet man auch den Corso Italia (die Italienallee) und das erinnert mich an den vergangenen 30. August und jenen Tag, der die Woche der „Fešta de ra Bandes“ souverän beendet. Ich muss daher an den letzten Marsch um 19:30 Uhr denken. Die Kapelle zog gute Musik überall mit sich und richtete dadurch die Schaufenster des Zentrums für deren primäre Nutzung, nämlich Passanten widerzuspiegeln.

So habe ich auch in den gemeinsamen Spiegel geschaut und mich gefragt:

„Was singen denn die Ladiner aus Anpezo?“

Ganz bestimmt singen wir „Anpezo el nosc paés“ („Anpezo, unsere Heimat“. Dorf finde ich in dem Kontext zu wörtlich).

Es gibt aber auch andere Dinge, die wir erzählen, worüber wir singen und die uns zum Musikspielen einladen.

Ich, zum Beispiel, mag von den Pluralismen des Ampezzaner Alltags erzählen und zwar des Alltags einer Gemeinde, die sich zu einem Namen, einem Nachnamen und einem Übernamen vereint:

Cortina d’Ampezzo – Anpezo.

Außerdem will ich noch von dieser wahren Berggemeinschaft schreiben, die – genau wie alle Völker der Alpen – zusammengehört. Ein solcher Bund ist sich dessen bewusst, dass dieses weiße Rauschen im Hintergrund manche Musiknoten nie überwältigen wird.

Ich darf nicht sagen, was die Ladiner aus Anpezo singen und singen werden. Trotzdem können wir uns auf das hervorragende Beispiel der atemberaubenden Dolomiten verlassen, die uns zu Gast haben. Wir wissen sehr wohl, jeder von uns weiß, was Nebengeräusche und feine Lieder sind.

Schreiben wir weiter, komponieren wir weiter!

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Von den Definitionen und von den Lügen, die die Berge nicht erzählen.

Über Wahrheiten, die keine Etiketten brauchen.

Von den Definitionen und von den Lügen, die die Berge nicht erzählen. · 1/7

Dieser Text, diese Worte, hätten den eigenen Platz vor langer Zeit finden sollen.

Diese Zeichen hätten viel früher geschrieben, eingegeben, herzlich wahrgenommen und gelesen werden sollen. Das heißt deutlich früher als die Sekunde, in der ich beschloss, jene Züge zu konkretisieren. Ich war in meiner Innsbrucker Zeit daran gewöhnt, gerade auf die Serles von der Meinhardstraße aus zu schauen und irgendwann beschloss ich, dass ich mehr erfahren wollte.

Ich werde eine Geschichte von Bergen, Definitionen und um zwei Schritte vom Himmel entfernte Augenblicke erzählen.

20. August 2024: Ein Tag der Selbstfindung.

Genau an diesem hochsommerlichen Dienstag entschied ich mich dafür, zu entdecken, hochzusteigen und auf den Gipfel jener Pyramide, die ich so lange betrachtet hatte, zu gehen.

Ich werde über einen Berg erzählen, dessen Name von Jahrtausenden Sprachgebrauch gemeißelt wurde und aus einem Zeitalter stammt, in dem eine Minderheitssprache wie das Ladinische von Cortina d’Ampezzo-Anpezo keine Etikettierung, keine Grammatikbücher sowie keine Schulprogramme benötigte.

Als freier Bergmensch suche ich immer gute Ansätze, um das Territorium um mich besser kennenzulernen. Während einer dieser spontanen Konversationen bei der Arbeit erfuhr ich dank eines Herrn, dass das Wort Berg eben als „Berg, der“ verzeichnet wird. Außer der Serles. Die sei der „einzige“ Bergname, der durch ein feminines Genus unterschieden wird. Das hieß: praktisch ganz viele Gipfelnamen seien maskulin außer in einem Fall, außer dem Berg, der sich an die Dolomiten – wo ich geboren und gewachsen bin – wagt, zu erinnern.

Eine 2717 Meter hohe Pyramide. Ich las weiter…

Der Begriff „Sonne“ wird mit einem femininen Genus im Deutschen geknüpft. Auf Ladinisch hieß es über Jahrhunderte „Suredl“, während unser Stern als „soróio“ in Anpezo-Cortina d’Ampezzo übertragen wird. In aller Klarheit, stammen „soróio“ und „suredl“ aus der gleichen Wurzel und zwar der klassischen lateinischen Wurzel „sol“. „Suredl“ gab diese Einprägung und den Bezug auf die Sonne weiter, während das im 15. Jahrhundert etablierte romanische Toponym „Sörl“ die finale Form der Serles beeinflusste. Die Tafel am Serlesjöchl legte mir an jenem Tag genau diese Deutung vor. Ich nahm sie an, wie sie sich mir zeigte.

Aber fokussieren wir uns einmal auf jenen sagenumwobenen Dienstag und jenem Sommertag voller Sonne und leeren Wolken. Als Sprachmittler und Übersetzer, der sich mit einer neuen Umgebung auseinandersetzte, fand ich diesen etymologischen Fall besonders relevant.

Wie man sagen würde: „Wenn du die Art und Weise, wie du die Welt siehst, änderst, ändert sich denn auch das, was du siehst“. So bin ich diesen steilen Weg im Stubaital gegangen – vielleicht gleich schnell, wie praktisch immer, wenn ich alleine unterwegs bin. Nach ein paar Atemzügen waren es noch einige hundert Meter bis zum „Serlesjöchl“ – eine Scharte, von der man gut über Steinach am Brenner schaut. Ich sah ein Schild, das man auf den dieser Erzählung beigefügten Bilder sieht. Ich las, warum sich die Serles „Serles, die“ heißt und ein femininer Berg ist, obwohl die deutsche Grammatik dies anders vorsähe. Im Übrigen hatte Goethe sie „Hochaltar Tirols“ benannt.

Genau nach letzter Erkenntnis wurde mein Schritttempo noch schneller.

Ich fing an zu sehen: Berggipfel und Alpendohlen, letztere durfte ich gerne ansprechen.

Am Bergkreuz begriff ich, wovon Goethe sprach: so viele Bergnamen hätte ich mir nie merken können. Eine andere Alpendohle flog mit den Flügeln und ich mit der Seele.

Ich hatte so einen Eindruck dabei, dass wir beide gleich frei und gleich gestellt waren und, dass wir vergleichbar hoch hinauf zu einem Sicherheitsabstand von dem Boden schwebten. Ich traute mich sogar, der Dohle ein Tarallo anzubieten.

Essen verbindet, das weiß man ja.

Nach einem Power-Nap am Gipfelkreuz, fing ich allmählich an, abzusteigen. Die Wolken hatten den Stubaier Gletscher umzingelt und dies fand ich auf 2717 Hm. eher nicht gut. Der Wind warf die nepalesischen Flaggen heftig herum. Ich war noch auf dem Rückweg, teilweise lief ich bergab. Zum Abendessen gab es Pizza und eine schöne Erinnerung. Gut fühlte sich auch die Müdigkeit der Beine an: es war jene Müdigkeit, die sich eher als eine Belohnung anfühlt.

Genau so war es: ich fand heraus, warum man den Hochaltar Tirols mit „sie“ anreden muss. Das über Innsbruck sich erhebende Symbol des Stubaitals, am Rande der alpinen Hauptstadt, trägt deswegen einen ewigen von den alten ladinischen Völkern gegebenen Namen, ewig wie die geometrische pyramidale Form, die der Berg zu eigener Gestalt hat. Die Serles erhielt also ein klares Toponym und, als ich in diese Geschichte tauchte, gelangte ich zur folgenden goldenen Erkenntnis:

Die Berge erzählen keine Lügen. Sie taten dies nie und werden dies nie tun.

Auf dieser Spitze oberhalb von Fulpmes im Stubaital wird es noch auf Ladinisch geflüstert.

Nun berichte ich davon, dass dies unschätzbar wertvoll ist: die reinen Berge, in deren Gesellschaft ich wachsen durfte, erzählen mehr von ihren Gebieten – zwischen eigenartigen Namen und nicht nachzuahmenden Gestalten – als Jahre Gefechte, Auseinandersetzungen, Konventionen, Frieden und Verträge je machen durften, wenn nicht konnten. Jetzt, zum springenden Punkt: die Berge brauchen keine Definitionen, weil sie über von Generation zu Generation seit dem Urknall weitergegebene Traditionen fortbestehen. Sie belehren die Menschheit als Gesamtheit, dem eigenen Ruf angemessene Definitionen zu äußern und zwar im Einklang mit der bloßen Fähigkeit, die Elemente des Realen bei Namen nennen zu dürfen.

Bei diesem großen Ganzen darf man folgendes aber nicht vergessen:

In der Époque der Moderne steht ein Berg ohne die ihm aufgedrückten Definitionen aufrecht.

Und wir?

Die Antwort zu dieser Frage bringt die von modernen Köpfen auf den sumpfigen Böden bebauten Paläste aus Kristall, die deren (Un)Sicherheiten Heim sind, zum Schwindeln. Hier spricht der Bergmensch: anders ist die Resonanz von dem über Wege erreichten Platz am Gipfelkreuz als die der Aufgabe, jene Paläste hochzusteigen - unabhängig von deren Beschaffenheit, also aus Vorstellungen sowie Edelstahl und Beton.

Die Berge äußern sich in Worten – soweit bekannt – nicht. Doch können sie etwas sehr, sehr gut: uns das Zuhören erzwingen und uns an unserer Kleinigkeit erinnern.

Sie sagen kein Wort, erzählen keine Lüge, fällen kein Urteil.

Im Gegensatz zu manchen glänzenden Glasfassaden scheuen sich die Berge vor keinen Erdbeben.

Ménego

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Über die Prinzen und die Engel: Zitate, die bleiben.

Über die Prinzen und die Engel: Zitate, die bleiben. · 1/2

Ich lese gerade ein Buch von Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben. Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute.

Und im Kapitel 1 “Zeichen von oben: Charismatische Macht” finde ich Folgendes auf Seite 59:

Wir vollziehen nun den Sprung in eine andere Gattung von Argumenten und virtuell in ein anderes Buch: Eine energetische Anthropologie, auf dieser Stufe ihrer Selbsterklärung, kann sich nur in Form einer personalen Medienlehre verwirklichen. Ihr Grundwort ist die oft unbeachtete Präposition „Durch“ – das Kennwort der menschlichen Leitfähigkeit, die den technischen Medien vorangeht. Sie wirkt auf stille Weise mit bei allen Versuchen zu verstehen, wie die von Abraham Lincoln in einer Rede von 1861 beschworenen „besseren Engel unserer Natur“ in uns tätig werden, um „durch uns“ das Werk der schlechteren zu begrenzen.

Ich las dieses Zitat, während ich vor zwei Wochen im Zug saß und nach Wien raste.

Diese Textzeilen kamen zu mir als große und magische Überraschung. Es geht hier um einen Text von großer Bedeutung und von jener Relevanz, die einen über Tage beschäftigt. Zum Beispiel, als ich frisch von der U-Bahn an der Donauinsel ausgestiegen war und gleich von einer Alltagsszene berührt wurde.

Ein schneller Fahrradfahrer schien den Eindruck zu haben, dass etwa ein Dutzend Touristen ihm den Weg versperrte. Aus der Distanz konnte ich das Grüppchen nur ungenau sehen.

Plötzlich fing der Fahrer an, „Achtung“ immer lauter zu schreien: der dritte Schrei kam am lautesten an und die Architektur der Unterführung als größter Lautsprecher machte dies noch schlimmer. Ich bewegte mich weiter, genauso wie der Mann. Um wenige Zentimeter fuhr er den einen nicht über.

Erst dann wurde mir bewusst, dass diese älteren Frauen und Männer der Gruppe, die in Wien zu Besuch war, gehörlos waren und den fürchterlichen Schrei des Passanten nicht hätten wahrnehmen können.

Ich grübelte weiter und stellte mir vor, wie wir uns alle im Alltag in unserer eisernen Sicherheit bergen, nachdem wir der Auffassung sind, dass sie auf stabilem Boden verankert worden sei. Es ist aber eigentlich so, dass es immer um Perspektiven geht, die wir für unsere halten. Das ist mein Eindruck, zumindest als privilegierter Leser dieses Buches von Sloterdijk.

So läuft es eben im Zeitalter der gewöhnlichen Leute, wenn man meint, dass es möglich sei, in einer Welt der Prinzen und Erben leben zu dürfen, während man eigentlich ein Puppentheater erlebt, dessen Fäden die Engel ziehen.

Die Relevanz dieser Worte besteht also darin, zu verstehen, dass wir unsere Grenzen erst überwinden können, wenn wir unsere Herzen fürs Gute bereithalten.

Nur so kann es sein, dass wir als Fürsten oder Prinzessinnen uns um unsere Erben kümmern.

Über die Prinzen und die Engel: Zitate, die bleiben. · 2/2DEmatteomenardi.substack.comWeiterlesen👁️

Vordere Brandjochspitze – Innsbruck - Tyrol

Sometimes reality goes beyond what you imagine and the time has come for me to see what I could not imagine.

I will turn the page, well aware that my heart won't find peace until I am able to name each and every one of the peaks in the photos.

It was a blast, Innsbruck. Now let's get the best out of what's left.

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Die heurige Alpinmesse war der perfekte Anlass, viele Leute und Freunde zu treffen und an tolle Gespräche teilzunehmen. Insbesondere eins.

Ich hatte einen Drink und viele Themen, worüber ich sprechen wollte. Dann drehte ich mich um und ein Herr verriet seine eidgenössische Freundlichkeit mit drei Worten.

Wie jedes Jahr am Abend ist die Musik laut und man muss schreien um sich zu verstehen. Auf jeden Fall erzählt er mir, er sei Polizist im Kanton Graubünden und käme sehr gerne immer wieder zum Termin der Alpinmesse, um die Neuigkeiten zu sehen. Zwischen Kleidung, Skis, Kletterschuhen, Vorträgen und dem üblichen Boulderwettkampf.

Er erzählt mir davon, dass wir Bergmenschen seien und uns ganz gut verstehen, weil wir ähnliche Werte teilen, die einfach und gesund sind. Ich rede über dieses eine Mal, wo es ein Meter Neuschnee über Nacht in Ampezzo kam. Damals bin ich aufgestanden und wusste, ich hätte nur Schnee geschaufelt und so die Zeit genossen. Olympia steht auch bevor und die daran Beteiligten haben Großartiges geleistet. Man sieht in mir die Magie, die man in den ampezzaner Gassen spürt.

Wir verabschieden uns lächelnd und werden uns wahrscheinlich nächstes Jahr treffen!

Diese Woche am Mittwoch kam ich von der Weihnachtsfeier mit meinen Kolleginnen und Kollegen zurück und wanderte zwischen den Bergen Serles, Patscherkofel, Hafelekar oder der Brandjochspitze. Ich dachte wieder an dieses Treffen vor zwei Wochen: wir sind Bergmenschen, unverblümt, direkt und zu einfachen aber unendlichen Werten gebunden. Keine Sprache, Grenze, Etikett, Markierung, Künstliche Intelligenz oder kein Beweis der Moderne werden uns ändern. Wie die wunderbaren Berge, die wir Heimat nennen dürfen🏔️

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Alpinmesse · 3/7
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„In der Küche kann man nicht lügen. Gottheiten gibt es auch keine. Sie mögen ebenfalls mit Ihnen nichts anfangen können. Ein Omelett kochen Sie oder kochen Sie nicht. Zwiebeln schneiden, eine Pfanne schütteln, diesen Tanz mit den anderen Köchen und Köchinnen synchron treiben. Immer und immer wieder von Anfang an Erfahrungen verwirklichen, sodass all die Gerichte, die auf der Speisekarte stehen genau so schmecken, wie sie sollen. All das können Sie oder können Sie nicht. Kein Zeugnis, kein Schwachsinn, kein Versuch, sich irgendetwas einzureden, werden die grundlegenden Fakten ändern. Kochen ist die letzte Meritokratie – eine Welt des Absoluten. Man weiß ja immer, wie der Tag verlief.“
— Anthony Bourdain
Anthony Bourdain · 1/1
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Rumer Spitze – 2454 über dem Meeresspiegel

Rumer Spitze – 2454 über dem Meeresspiegel · 1/2Rumer Spitze – 2454 über dem Meeresspiegel · 2/2

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